Foto: © Getty Images for Ironman

Die 40. Ausgabe des Ironman Hawaii und der dort stattfindenden Weltmeisterschaft der Profis und Agegrouper ist vorbei – WOW was für ein Event! Perfekte Bedingungen haben dafür gesorgt, dass alle Rekorde gebrochen wurden, außer die Runsplits der Damen und Herren.

 

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Hier eine kurze Auflistung der neuen Bestmarken:

Damen gesamt:            8:26h (Daniela Ryf)

Herren gesamt:            7:52h (Patrick Lange)

Damen Bike:                4:26h (Daniela Ryf)

Herren Bike:                 4:09h (Cameron Wurf)

Damen Swim:               48:13min (Lucy Charles)

Herren Swim:               46:30min (Jan Sibbersen)

 

Wir kümmern uns hier natürlich in erster Linie um das Schwimmen und dort gab es durch Lucy Charles eine neue Bestmarke bei den Pro Frauen. Jan Sibbersen hat im Agegroupfeld eine neue Bestmarke für die Herren aufgestellt. Im Schwimmen waren die Bedingungen aufgrund der Tageszeit gut wie immer und die TV Übertragung bzw. die Internetstreams gut genug, um wieder einiges lernen zu können. Also los…

 

Topathleten mit hoher Zugfrequenz

Bei den Frauen hat Charles direkt das Heft in die Hand genommen und ist sehr schnell ein einsames Rennen an der Spitze des Feldes geschwommen. Ihre Leistung ist als ehemalige britische Spitzenschwimmerin im Langstreckenbereich im Triathlonprofifeld herausragend. Es ist beeindruckend, wie gut sie das hohe Niveau aus ihrer ehemaligen Schwimmkarriere halten konnte. Auffallend ist ebenfalls wie wenig bei hohen Geschwindigkeiten zu Beginn des Zuges gewartet – geglitten – wird. Um es auf den Punkt zu bringen: Sowohl Charles, als auch Josh Amberger, beginnen direkt mit dem Zug wenn die Hand das Wasser berührt. Beide Athleten schwimmen sehr oberkörperbetont und mit hoher Frequenz. Aufnahmen von Jan Sibbersen hat man nur ganz zum Schluss gesehen, aber auch da war keine große Gleitphase zu sehen.

Die Topathleten sind schnell, weil sie schnell ziehen und viel Kraft ins Wasser bringen. Es mag hier und da vereinzelte Athleten in der Weltspitze der reinen Schwimmer geben, die zu Beginn des Armzuges kurz gleiten, aber auch die sind sehr selten und in der Regel sehr groß und kräftig gebaut. Beim Schwimmen gibt es keine Schönheitspreise zu gewinnen und deshalb würde ich euch den Tpp mitgeben wollen, Begriffe wie „bolzen“ oder „ballern“ nicht mehr nur negativ zu sehen, und vielleicht bei den kommenden, intensiven Sessions zu versuchen, mit (noch) mehr Aggressivität im Wasser zu agieren.

 

Wie Du vom Sogeffekt profitierst

Taktisch ist aufgefallen, dass die Profis in Sachen “Sogschwimmen” endlich ihre Hausaufgaben gemacht haben. In vergangenen Jahren hat man immer wieder mehrere „Felder“ gesehen. Dieses Jahr hat sich von Anfang an eine Gruppe gebildet, die durch das hohe Tempo schnell und schmal geworden ist. In Freiwasserweltcups kann man zu Beginn in der Regel ein großes breites Feld beobachten, dass dann ebenfalls am Ende des Rennens sehr lang und schmal wird. Am Ende der „Perlenschnur“ platzen dann nach und nach die Athleten ab, die dem hohen Tempo auch im Sog nicht mehr folgen können. Wie auf dem Fahrrad ist es auch im Wasser so, dass man sich am besten direkt an den Füßen platziert. Umso größer der Abstand zum Vorderschwimmer, desto geringer der Vorteil des Sogeffektes im Wasser. Es ist nicht unrealistisch, dass man so 3-5 Sekunden auf 100m “sparen” kann. Dazu könnte ich einen ganzen Roman schreiben, aber das würde den Rahmen sprengen und du nicht lesen wollen 😉 (PS: bald dazu mehr auf Youtube!)

 

Was ambitionierte Schwimmer von den Profis lernen können

Zum Schluss können vor allem die schnellen Schwimmer noch etwas von Amberger lernen. In vielen Rennen in der Vergangenheit hat er mit dem Startschuss direkt versucht die Konkurrenz zu brechen und das Rennen alleine zu gestalten. Dieses Jahr hat er natürlich immer noch schnell begonnen, um an die Spitze des Feldes zu kommen aber von da hat er dann das Tempo stetig erhöht. Dadurch sind die Schwächeren Schwimmer ebenfalls rausgefallen und er hat sein eigenes Rennen besser gepaced.

Bisher war es jedes Jahr so, dass die großen Rückstände im Schwimmen auf Hawaii nach dem Wendepunkt entstehen. Genau an dem Punkt haben viele die ersten Probleme und genau dann sollte man die Attacke setzen, damit man die maximale Wirkung damit erzielen kann. In einem Rennen wie Hawaii ist es bei den Herren ohnehin von Vorteil, wenn man nicht ganz alleine auf dem Rad sitzt, sondern wie dieses Jahr mit einer 10-12 köpfigen Gruppe das Rennen gleich zu Beginn richtig schnell machen kann. Selbst Topbiker wie Sebastian Kienle (nach seiner Panne) und Lionel Sanders sind so nie an die Spitze des Rennens gekommen. Bei den Frauen ist das gesamte Niveau auf dem Rad in der Breite nicht so hoch wie bei den Herren und so macht es für jemanden wie  Charles absolut Sinn, direkt vorne weg zu schwimmen und zu fahren.

Ich hoffe ihr habt bei der Übertragung auch so viel Spaß gehabt. Bis nächste Woche hier,

Jan